Immer wenn die Katalanen zum Feiern zusammenkommen, sei es auf Stadtfesten, dem nationalen Feiertag, oder einer anderen kulturellen Gelegenheit, sieht man oft auch eine Gruppe, die diese alte Tradition pflegen. Getanzt wird die Sardana in der gesamten katalanisch-sprachigen Region, also den Balearen und dem im heutigen Frankreich liegenden Nordkatalonien.

Das Symbol dieses Tanzes besteht darin, sich in vollkommener Harmonie und Gleichheit die Hände (in einem Kreis) zu reichen. Und genau so wird die Sardana auch getanzt, man bildet einen Kreis, fasst sich an den Händen und mit verschiedenen Schrittfolgen der Musik. Den Ton gibt den Tanzenden dabei eine elfköpfige Band vor, ausgestattet mit Flöten, Posaune, Trompeten und einem Kontrabass. 

Historiker sind sich bis heute weder über die Herkunft des Namens sicher, noch den genauen Ursprung des Tanzes. Die wohl am nahe liebendste Theorie besagt allerdings, das es vom katalanischen Verb ‚cerdana‘ abgeleitet wurde, was so viel bedeutet wie „aus der Cerdanya stammend“ oder in unserem Zusammenhang „wie man in der Cerdanya tanzt“. Cerdanya (nicht zu verwechseln mit der Insel Sardinien, auf katalanisch Sardenya) ist eine Region in den östlichen Pyrenäen.

Einige Forscher suchen ihren Ursprung in magischen Tänzen der frühen iberischen Halbinsel, andere sehen ihn in der Nachahmung von Gestirnbewegungen am Himmel. So sollen die kurzen und langen Schrittfolgen bestimmte Sterne und die Bewegung der Sonne symbolisieren.

Im 14. Jahrhundert beschreibt das mittelalterliche „Llibre Vermell“ einen „ball rodó“, einen Rundtanz, den Pilger auf dem Weg nach Rom im Kloster Montserrat tanzten. Es könnte eine frühe Form der heutigen Sardana gewesen sein.

Der aus Andalusien stammende Josep Pep Maria Ventura i Casas war laut Aufzeichnungen der erste namentlich erwähnte Komponist einer Cobla, der Musik die den Tanz begleitet. Er kam 1840 in Perpignan mit der Musik der Cobla in Kontakt, die daraufhin zu seiner Passion wurde. Bis zu seinem Tod 1875 in Figueres schrieb er insgesamt über 400 Stücke. Das bekannte Orchester „Orfeó Català“ ist im Besitz von seinen Originalnotenblättern.

In der Stadt Olot ist man übrigens sehr stolz darauf, das wohl älteste Dokument in seinem Stadtarchiv zu haben, das diesen alten Tanz bereits im Jahre 1577 zum ersten Mal schriftlich erwähnte.

Damit diese Tradition nicht verloren geht, wird seit den 1960er Jahren jährlich eine katalanische Stadt ausgewählt, die damit beauftragt ist, als „Hüterin“ und Erbin diesen alten Brauch weiterzuführen. 

Wer nicht bis zur nächsten Festa Major warten möchte, kann in Barcelona jeden Sonntag um 18:30 Uhr auf der Plaça de Sant Jaume oder mittags auf dem Platz vor der Kathedrale La Seu eine Sardana miterleben.