Diese ganz besondere Feier der Nachbarschaft ist das Werk eines ganzes Viertels, die auch schon auf eine recht lange Tradition zurückblicken kann.

 
 
Das „katalanische Manchester“ wie das Viertel durch die Dichte der damals dort existierenden Industrie jahrelang genannt wurde, feiert seine Festa Major seit 1872. Und die Nachbarn helfen dabei traditionell tatkräftig mit. 

 

 
Der alte Orxata-Verkäufer schaut sich schwarz-weiße Fotos an, und erinnert sich an die Stadtteilfeste vergangener Zeiten. Es wurde zwar nicht weniger ausgelassen gefeiert, aber gab es längst nicht so viele Attraktionen. Die Protagonisten waren lediglich eine außerordentliche Messe, ein großer Umzug mit Pferdewagen, ein wenig Feuerwerk und die Sardana-Tänze.
 
Aber mit den Jahren zogen immer mehr Menschen nach Poblenou und mit ihnen auch neue Ideen. Gemeinsam mit diversen Nachbarschaftsvereinen gestalten sie die Feierlichkeiten und machen sie nicht nur für die Anwohner attraktiv, sondern auch für Besucher anderer Stadtteile, Regionen und mehr und mehr Touristen. 
 
So denkt er schmunzelnd zurück an die Jahre, in denen noch die Wahlen der “Pubilla del barri” veranstaltet wurden und die hübscheste Nachbarstochter kürte. Und die Kandidatinnen, eine hübscher als die Andere, schlürften ein ums andere Mal einen seiner leckeren Orxates. „Es gab geschmückte Balkone in der Passatge Cantí, die tollen Abende im Casino, bei denen die Stimme von María Espinals die Leute beeindruckte und die Schokoladen-Wettbewerbe“ erzählt er weiter.

 

 
Wie sehr hätte es ihm gefallen, nur ein einziges Mal zum abendlichen Tanz des Sant Bernat zu gehen, doch in jener Zeit hatte er hart zu arbeiten, und während der Feierlichkeiten des Viertel noch umso mehr.
 
Die Festa Major wird immer moderner und überraschen Tío Che jedes Jahr mit etwas Neuem, „alles befindet sich in einer stetigen Veränderung. Aber das ist auch der Geist dieser Stadt, die sich immer wieder neu erfindet.“
 
Da war die Überraschung umso grösser, als eines Tages vor seiner horchatería 

 

“Mare vull ser pescador” (“Mama, ich will Fischer werden”, ein traditionelles Havaneres-Lied) ertönte. 1980 gab es ebenfalls den ersten Pregó, einer offiziellen Zeremonie zu Beginn der Feierlichkeiten. Wie bei vielen anderen Orten sieht man auch in Poblenou die Gegants, Diables, einen Drachen, doch all das muss man einmal selbst erlebt haben.
 
2012 hatte er selbst die Ehre
 
Vielen Eröffnungsreden hatte er schon zugehört, doch gab es eine, bei der er nicht dankend applaudierte, sondern ihm selbst die Ehre zu Teil wurde, die festlichen Tage seines Viertels mit der offiziellen Rede zu eröffnen. Er konnte es kaum glauben, dort auf der Bühne, dass man ihm soviel Beachtung schenkte. Das fragte sich auch seine Frau inmitten des Trubels, in dem sie eigentlich mehr denn je arbeiteten. Doch solch ein hundertjähriges Lokal ist heutzutage nicht mehr alltäglich und hat jede mögliche Anerkennung verdient.
 
Heute ist es nun wieder soweit, und das Feuer und die Leidenschaft eines ganzen Viertels entfacht sich in der tagelangen jährlichen Feier. Eines Viertels, das offen ist für Jeden, ein Viertel mit soviel Geschichte, ein Viertel am Meer, ein Viertel der Menschen die hier leben.