Sehr vieles hat sich geändert zwischen dem ursprünglichen Gràcia und dem Gràcia von heute, aber gefeiert wird wie in alten Zeiten. Warum die Festa Major de Gràcia gefeiert wird


Die Straßen sind breiter, oder wurden umbenannt, es ist schon lange kein Dorf mehr, sondern ein weiteres von vielen Vierteln der Stadt. Kaum ein Stein steht noch auf dem Anderen, der an den Ursprung dieser Gegend erinnert. Doch trotz alledem ist diese romantisch-faulenzende Atmosphäre die Gràcia so einmalig macht, bis heute erhalten geblieben.

Keiner von uns war dabei, als vor über 200 Jahren diese Feiern zum ersten Mal stattfanden. Verändert hat sich seitdem nicht nur die Zahl der Teilnehmer, sondern auch die der Einwohner.

Die ersten Feiern

Um 1828 füllten nur rund 3ooo Menschen die Häuser und Wohnungen der Nachbarschaft, in der heutzutage mehr als 120.000 leben. Um Anhaltspunkte über die ersten Festlichkeiten von Gràcia zu finden, muss man sogar bis ins Jahr 1817 zurückblicken.

Obwohl es verschiedene Versionen zur Herkunft gibt (einen von diese besagt, dass bereits 1812 (nach dem Zusammenbruch des Klosters von Jesús und dem Umzug der Mönche ins Kloster der Josepets) gefeiert wurde. Die offiziellere und verbreitetere Version besagt aber, dass es die Festa Major de Gràcia erst seit dem Jahre 1817 gibt.

Ebenfalls wird erzählt, dass die Feier zu jener Zeit am 15. Mai stattfand, zu Ehren von Sant Isidro, dem Patron der Bauersleute. Erst später wurde sie auf den 15. August verlegt wurde, weil dies ein landesweiter Feiertag war und auch noch ist.

Welcher Überlieferung man auch Glauben schenkt, alle stimmen in ihren Geschichten über Tänze, Gesänge und vor Allem öffentliche und gemeinsame Mahlzeiten in einer Sache überein. Die Leute mochte die Feier so sehr, dass sie fortan jährlich stattfanden und regelmässig (wie man im Volksmund sagt) „se’ls en va de les man“ (katalanisch für: „ein wenig ausser Kontrolle gerieten“).

Anfangs war es, wie in jenen Zeiten üblich, eine rein relegiöse Feier. Doch bald nahmen auch verschiedene Nachbarschaftsvereine mit unterschiedlichsten Aktivitäten daran teil. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Festa Major de Gràcia zu einer der wichtigsten Feiern Barcelonas und 1890 kam die Tradition hinzu, die Straßen zu schmücken.

Der Lauf der Zeit

Und wie anfangs angesprochen, ändern sich einige Dinge nie. Und das ist auch gut so. Bis heute kann man die Castellers erleben, wie sie sich traditionell darin messen, ihre erstaunlichen Menschentürme zu bauen. Die Nachbarn laden nach wie vor dazu ein, die Mahlzeiten gemeinsam zu geniessen. Und natürlich sieht man auch heutzutage noch, wie die Leute immer noch Sardanes tanzen.

Doch mit der Zeit kommen auch Veränderungen. So parken heute Motorroller und Kinderwagen wo früher die Pferdewagen standen. In längst vergangenen Zeiten wurden die Stadttore ausnahmsweise erst viel später geschlossen, damit Besucher aus Barcelona auch mitten in der Nacht noch nach Hause fanden. Dagegen fährt heutzutage die Metro rund um die Uhr. Dinge ändern sich im Laufe der Zeit, das Wichtige ist, dass die Essenz erhalten bleibt.