Ist das Fliegen in Zeiten von Corona empfehlenswert? Die Fluggesellschaften geben beruhigenden Statements ab, Experten hingegen warnen vor den Risiken und sagen, das Virus fliegt immer mit

Reisen ist auch über Grenzen hinweg endlich wieder erlaubt und in den Flugzeugen sitzt ein Passagier neben dem anderen. Laut den Fluggesellschaften besteht dabei das trotz Covid19 überhaupt kein Risiko. Doch Experten sind da anderer Meinung und sehen es eher problematisch.

Nachdem die Grenzen am 1. Juli, mit einigen Ausnahmen nun endgültig wieder geöffnet wurden, hat auch der Reiseverkehr begonnen. Lange haben die Menschen darauf gewartet, in den Urlaub fliegen oder die Familie besuchen zu können. Flugzeuge transportieren wieder Hunderte Menschen auf einmal und in den meisten Fällen ohne den von Behörden und der Politik sonst so vehement geforderten Mindestabstand. 

Wie hoch ist die das Risiko im Flugzeug?

Die Fluggesellschaften sagen: Sehr niedrig! Seitens der Airlines hört man derzeit nur beruhigende Mitteilungen, wie zum Beispiel: „Fliegen ist aufgrund der aktuellen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen die Art des Reisens mit dem geringsten Infektionsrisiko.“

Die Pressesprecherin beim Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft argumentiert: „In der Flugzeugkabine zirkuliert die Luft von oben nach unten. Die aus dem Atem freigesetzten Tröpfchen werden an den Boden und nicht ins Gesicht anderer Passagiere gedrückt.“
Weiter heisst es: „Die Luft in der Kabine wird alle zwei bis drei Minuten erneuert und hat durch den Einsatz von Hochleistungsfiltern die Qualität wie in einem Krankenhaus.“

Condor geht auf seiner Webseite sogar soweit, zu sagen: „Die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsübertragung via Luftstrom im Flugzeug ist genauso gering wie in einem Operationssaal in einer deutschen Klinik“. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass man einem OP, vom Ärzteteam mal abgesehen, alleine ist. Das wiederum ist im Flugzeug nicht der Fall.

Im Wartebereich vieler Flughäfen gibt es „Social distancing“, an Bard dann plötzlich nicht mehr?

„Keine Airline der Welt kann ein Drittel ihrer Sitze blocken. Dann ist kein Flug mehr profitabel“, sagte Carsten Spohr von der Lufthansa zur aktuellen Debatte. Damit hat er vollkommen Recht, um Gewinn zu machen, müssen mindestens 3/4 der Plätze besetzt sein. Den Passagieren den geforderten Mindestabstand zu garantieren, ist mit der Rentabilität eines Fluges also gar nicht vereinbar.

Ob man den Aussagen der Flugesellschaften bezüglich der Ansteckungsgefahr unter diesen Umständen 100%ig trauen kann, darf man wohl bezweifeln.

Das Virus fliegt mit

Wenn man in den Zeiten des Coronavirus Eines gelernt hat, dann wohl die Tatsache, dass je größer der Abstand zwischen Personen, desto geringer das Risiko, sich mit Covid19 anzustecken oder es weiterzugeben.

Aus diesem Grund wird von nicht wenigen Experten gefordert, Mittelsitze oder bestenfalls ganze Sitzreihen in den Maschinen nicht zu besetzen. Auch die EU-Behörde für Luftfahrtsicherheit hat diese Empfehlung ausgesprochen. Die Fluggesellschaften müssen sich daran aber nur halten, wenn es die Auslastung des Flugs zulässt.

Im Klartext heisst das: Passagiere haben kein Recht auf einen freien Nebensitz und auch die Sicherheitsdistanz von 1,5 Metern kann nicht zu jedem Zeitpunkt garantiert werden.

Einreise-Formular

So auch zuletzt auf einem Flug von Frankfurt nach Barcelona. Die Maschine ausgebucht, mehr als 200 Fluggäste saßen in den Reihen dicht nebeneinander. Der Aufruf an die Bevölkerung, ob in Spanien, Deutschland oder anderen Ländern, Abstand zu halten, scheint vergessen.

Derzeit keine gute Idee

Dieter Scholz, Flugzeugforscher an der Universität der angewandten Wissenschaften in Hamburg, sagt, dass man das Risiko von Flugreisen in Zeiten des Coronavirus nicht unterschätzen sollte.

„Flugreisen können während der Pandemie zu einer weiteren, vielleicht noch schlimmeren Ansteckungswelle führen, als es Anfang des Jahres der Fall war.“ Falls sich aber eine Flugreise absolut nicht umgehen lässt, sollten man während des Flugs nicht umhergehen und am besten eine Maske mit Partikelfilter verwenden.

Alles in Allem, sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob eine Reise wichtig genug ist, um ein nicht abschätzbares Risiko einzugehen. Das Virus fliegt mit, das schützt auch kein Einreise-Formular mit einem QR-Code.