Die Geschichte der ehemaligen Fabrik-Siedlung Colònia Güell. Entworfen von Antoni Gaudí, wurde sie zur Touristenattraktion und zum Weltkulturerbe.


Die kleine Ortschaft vor den Toren Barcelonas war zu jener Zeit eine der bedeutendsten Industrie-Kolonien. Und das zum Einen durch ihre architektonische Qualität. Doch vor allem auch durch die Tatsache, dass die benötigte Energie durch viel zuverlässigere Dampfkraft gewonnen wurde. Andere Standorte taten das noch mit der (Wasser-)Kraft des Flusses Llobregat an dem sie lagen.

Ursprünglich wurden dort seit ihrer Enstehung 1890 bis zur Schliessung 1973 hauptsächlich Textilien wie Samt und Kord herstellt. Erbaut wurde es auf Initiative des Unternehmers und Grundstücksbesitzers Eusebi Güell i Bacigalupi. Dieser hatte seine Fabriken zuvor in Sants (Barcelona) doch war gezwungen seine Produktionen durch den ersten Generalstreik in Spanien im Jahr 1855, nach Frankreich zu verlegen.

Nach jener Krise des Textilsektors, kehrte er zurück, schloss den Betrieb in Sants und verlegte ihn in eine weniger konfliktreiche Gegend. So lockte er seine Arbeiter in eine ländlichere Umgebung, um damit soziale Spannungen zu vermeiden, die es zu Zeiten der industriellen Revolutionen im späten 19. Jahrhundert auch in Barcelona und anderen katalanischen Industriezentren gab. 

Wie kommt man hin: Bis zur Estació Colònia Güell mit der S3, S4, S8, S9 der FGC vom Plaça Espanya.

Hier gibt es Karten für geführte Touren oder um die Krypta zu besuchen.

Die Familie Güell wollte mit ihrem fortschrittlichen Projekt die Voraussetzungen schaffen, die ihre Arbeiter für ein komfortables und christliches Leben benötigten. So beauftragte Eusebi Güell den Architekten Antoni Gaudí mit dem Projekt der Kolonie. Dafür entstanden auf einer Gesamtfläche von 160 Hektar ein Krankenhaus, ein Gasthaus, eine Schule, Geschäfte, ein Theater, eine Genossenschaft, eine Kapelle sowie die Fabriken und Wohnungen für seine Arbeiter.

Gaudí war verantwortlich für die Gesamtplanung, bei der er auf die Hilfe seiner Mitarbeiter Francesc Berenguer i Mestres, Joan Rubió und Josep Canaleta zählte. Seine Assistenten waren bei der Errichtung fast aller Gebäude der Kolonie beteiligt, wie zum Beispiel auch dem Kulturzentrum und dem Pfarrhaus. Für die Gestaltung der Kirche hingegen war Gaudi ganz allein verantwortlich.

Die Nachfolger von Eusebi Güell verkauften das Anwesen 1945 an die Familien Bertrand und Serra. Als sich auch die Textilindustrie mit der wirtschaftlichen Krise konfrontiert sah, wurden die Fabriken 1973 geschlossen. Auf dem gesamten Areal der Gemeinde Santa Coloma de Cervellò (Baix Llobregat) leben heute noch ca. 800 Einwohner. 1991 wurde es zum Kulturgut von nationalem Interesse und die von Gaudi erschaffene Kirche 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.